APPENZELLER

Benedictus Appenzeller, ein Komponist im Dienste der Maria von Ungarn

Benedictus Appenzeller (um 1480/1488 – nach 1558) war ein herausragender Komponist und eine zentrale Figur der Musik der Renaissance. Wahrscheinlich in in Oudenaarde in der Grafschaft Flandern geboren, ist ab 1518 seine Tätigkeit als Kantor an der St.-Jakobs-Kirche in Brügge belegt. Schon ein Jahr später wurde er zum Chorleiter (sangmeester) befördert, was seine herausragenden musikalischen Fähigkeiten und seine pädagogische Kompetenz unter Beweis stellt. Diese frühen Jahre in Brügge prägten seinen musikalischen Werdegang und seine Verbindung zur flämischen Musiktradition.

Ein entscheidender Wendepunkt in seiner Karriere erfolgte im Februar 1536, als er in den Dienst von Maria von Ungarn, der Statthalterin der Niederlande, trat. Diese Ernennung leitete eine fast zwanzigjährige Zusammenarbeit ein, die sowohl sein Schaffen als auch seine musikalische Ausrichtung stark beeinflusste. Im Oktober 1537 trat Appenzeller die Nachfolge von Jehan Gossins als Chorleiter der kaiserlichen Kapelle an, eine Position, die er bis in die 1550er-Jahre innehatte. Unter Maria von Ungarn erlebte er eine bedeutende Förderung, die es ihm ermöglichte, sein künstlerisches Repertoire weiterzuentwickeln und zu erweitern.

Während seiner Tätigkeit an Marias Hof begleitete Appenzeller seine Mäzenin regelmäßig auf ihren Reisen durch die Habsburger Länder. Diese Reisen führten ihn unter anderem nach ’s-Hertogenbosch (Bois-Le-Duc), Augsburg und München, wo er nicht nur musikalische Einflüsse aus verschiedenen Regionen aufnahm, sondern auch seinen Horizont als Komponist und Musiker erweiterte. In den Aufzeichnungen der Bruderschaft Notre-Dame in ’s Hertogenbosch ist belegt, dass Appenzeller 1545 mit einer Frau namens Liennaertken verheiratet war und die Verantwortung für sechs Chorknaben übernahm.

Nach dem Weggang Maria von Ungarns aus den Niederlanden im Jahr 1556, die nach Spanien zog, fand Appenzeller eine neue Anstellung als Chorleiter an der Kathedrale St. Michael und St. Gudula in Brüssel, wo er von Dezember 1555 bis Dezember 1558 wirkte. In den Archiven erscheint er zum letzten Mal am 8. Juli 1558, als er in einem Antrag auf Steuerbefreiung angibt, „über 70 Jahre alt“ zu sein.

Appenzeller hinterließ ein umfangreiches Werk, das sowohl sakrale als auch profane Musikgenres abdeckte. Besonders seine Vertonungen von Motetten, Messen und anderenn kirchlichen Werken sowie seine Kompositionen für den Hof haben ihn als wichtigen Vertreter der Musik der Renaissance etabliert.

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Die Diskografie von Appenzeller ist heute auf den meisten gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.
→ Eine detaillierte Liste seiner Werke kann auf der Website EarlyMusic eingesehen werden.